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Neues Jahr, neuer PC – auf AMD Ryzen-Basis

Nach knapp 8 Jahren wurde es Zeit den heimischen Computer aufzurüsten. Zwar wurde in der Zwischenzeit zwei mal die Grafikkarte ersetzt, jedoch geht eine knappe Dekade auch nicht spurlos an Prozessor und Arbeitsspeicher vorrüber. Insbesondere bei rechenintensiven Aufgaben und Videospielen stellten sich die Komponenten immer öfter als Nadelöhr heraus. Glücklicherweise hat sich in den 8 Jahren viel getan, sodass sich sich ein lohnenswertes Upgrade anbahnte.

AMDs großes Comeback mit der Zen-Architektur habe ich sehr begrüßt. Spätestens seit den ausbleibenden Innovationen und Fertigungsproblemen Intels war mir klar, dass der nächste Rechner wieder einen AMD-Prozessor nutzen wird.

Beim letzten Rechner habe ich auf einen Intel Xeon 1230 v3 gesetzt – seinerzeit ein Geheimtipp: günstiger als ein vergleichbarer i7 und dank fehlender iGPU auch sparsamer. Mit einer TDP von 80 Watt, 4 Kernen bei 3.30-3.70 GHz und 8 MB Cache eine ganz gute Kombination.

Eine ähnliche galt es jetzt wieder zu finden. Die frisch erschienene Zen 3-Architektur bietet zunächst 6 Prozessoren, vor allem im Enthusiasten-Segment (Ryzen 7 und Ryzen 9). Offen gesprochen übersteigen diese jedoch meine Anforderungen – ich bin kein Hardcore-Gamer, streame nicht und schneide auch eher selten Videos. VMs und Container laufen hingegen öfter – aber das rechtfertigt keine 12 bis 16 Kerne und 105 Watt TDP. 🙂

Schlussendlich fiel die Wahl auf den Ryzen 5 5600X – ein guter Kompromiss zwischen Effizienz und Leistung:

Intel Xeon 1230 v3 AMD Ryzen 5 5600X
Erscheinungsjahr Q2 2013 Q4 2020
Kerne 4 Kerne, 8 Threads 6 Kerne, 12 Threads
Taktfrequenz 3.30 GHz (3.70 GHz Turbo) 3.70 GHz (4.6 GHz Turbo)
L3-Cache 8 MB 32 MB
Fertigungsgröße 22nm 7nm
Verlustleistung 80 Watt 65 Watt
Speicher Maximal 32 GB DDR3-1600 (25.6 GB/s) Maximal 128 GB DDR4-3200 (47,7 GB/s)
Bus-Erweiterung PCIe 3.0 PCIe 4.0

Vor allem der höhere Cache und Speicherbus in Verbindung mit dem höheren Turbo-Takt verspricht ein lohnenswertes Upgrade. Auch der neuere PCIe 4.0-Standard in Verbindung mit NVMe-Speicher eröffnet neue Möglichkeiten.

Das CPU UserBenchmark versprach ebenfalls ein lohnenswertes Upgrade:

Schlussendlich habe ich mich für die folgenden Komponenten entschieden:

Komponente Hersteller/Typ Preis
Mainboard MSI B550-A PRO 131,90 €
CPU AMD Ryzen 5 5600X 339,00 €
CPU-Kühler Scythe Mugen 5 Rev.B SCMG-5100 44,99 €
Arbeitsspeicher CMK32GX4M2B3200C16, Vengeance LPX 121,90 €
Grafikkarte AMD Radeon RX Vega 56 vorhanden
SSD Samsung 980 Pro 1 TB NVMe 189,98 €
Netzteil vorhanden
Gehäuse Fractal Define R6 C Blackout 130,99 €

Die Gesamtkosten beliefen sich auf knapp 960 Euro – und entspricht somit so ziemlich genau dem, was der ursprüngliche Rechner vor 8 Jahren gekostet hat. Abgesehen von der Grafikkarte und dem Netzteil wurde aber auch nichts mehr beibehalten.

Benchmarks

Ich habe einige Benchmarks ausgeführt, um das Upgrade beziffern zu können. Zuerst wurde Geekbench 5.3.1 benutzt:

Test Intel Xeon 1230 v3 AMD Ryzen 5 5600X
Single-Core 983 1704
Multi-Core 3519 8285
Details [klick!] [klick!]

Die bekannte Phoronix Test Suite war mir zu aufwändig – ich wollte nicht mehrere Tage mit Benchmarks verbringen. Stattdessen habe ich sysbench ausgeführt, um die Systeme grob vergleichen zu können:

Test Intel Xeon 1230 v3 AMD Ryzen 5 5600X
CPU events/second 1045 5244
CPU avg latency 0,96 0,19
Memory speed 6225 MB/s 8307 MB/s

Einige kurze I/O-Tests waren beeindruckend. Der alte Rechner verfügte über eine Samsung Evo 840 SATA SSD, die für die meisten Aufgaben ausreichend schnell genug war.

Die Samung 980 Pro ist eine der ersten NVMe-SSDs, die sogar schon den PCIe 4.0-Standard beherrscht. Ich habe zusätzlich noch die Samsung Evo 970 Plus NVMe-SSD (PCIe 3.0) meines Notebooks mitgetestet, um den Mehrwert durch PCIe 4.0 abschätzen zu können.

Test 840 Evo SATA 980 Pro NVMe 970 Evo Plus
hdparm -Tt 535 MB/s 2495 MB/s 1890 MB/s
dd (16x, 64M block, dsync) 218 MB/s 1126 MB/s 468 MB/s
dd (1000x, 512B block, dsync) 42 KB/s 81 KB/s 132 KB/s
Alle Tests wurden 3x ausgeführt und ein Mittelwert berechnet.

Die Bootzeiten einer frischen Pop!_OS-Installation verkürzen sich von 9 Sekunden (970 Evo Plus, PCIe 3.0) auf 6 Sekunden (980 Pro, PCIe 4.0). Es wurde keinerlei Tweaking angewandt. So ließen sich beispielsweise durch den Einsatz von systemd-analyze blame Units finden, die den Start verlangsamen um diese zu deaktivieren:

# systemd-analyze blame
6.440s NetworkManager-wait-online.service
3.265s plymouth-quit-wait.service
1.720s fwupd.service
1.231s docker.service
...

Zuletzt habe ich verschiedene Browser-Benchmarks ausgeführt, um die „Snappiness“ beim täglichen Browsen zu beziffern. Als Browser wurde Brave 1.18.70 verwendet:

Test Intel Xeon 1230 v3 AMD Ryzen 5 5600X
JetStream 96.187 165.435
MotionMark 357.99 772.20
Speedometer 80.97 153.5
Basemark Web 3.0 1230.55 2298.13

Fazit

Das Upgrade nach 8 Jahren hat sich gelohnt! Das neue System fühlt sich deutlich flüssiger an. Vor allem der deutlich schnellere RAM und die rasant schnelle NVMe-SSD beschleunigen das System spürbar. Auch das parallele Betreiben zahlreicher VMs und Container bremsen das System nicht aus.

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