Vergangen, aber nicht vergessen – HP-UX Workstations

Dort, wo man heute auf erschwingliche und dennoch leistungsfähige x86-Workstations zurückgreifen kann, war es früher unumgänglich UNIX-Workstations zu verwenden. Zu diesen Anwendungsgebieten zählte beispielsweise CAD – für welches zahlreiche UNIX-Workstations speziell konzipiert wurden. Zur damaligen Zeit waren diese Workstations den „herkömmlichen“ x86-Rechnern weit voraus – aktuell sterben UNIX-Worksations aufgrund mangelndem Interesse und der rasanten Entwicklung der x86-Architektur der letzten Jahre leider aus. Sie sind nicht mehr gefragt, da es weitaus preiswertere Rechner gibt, die diese Aufgaben ebenso zufriedenstellend erledigen. Das führte in den letzten Jahren leider auch dazu, dass keine UNIX-Workstations mehr konzipiert werden und für die verbleibenden Geräte aus Gründen der Wirtschaftlichkeit keine aktuellen Betriebssystem-Versionen mehr angepasst werden. Nicht nur HP, sondern auch SUN/Oracle (ich berichtete über diese Geräte) und IBM haben diese Entwicklung schnell verstanden und ihre Produktlinien eingestellt.

Ein Grund mehr, einen Blick auf die vergangenen, aber nicht vergessenen, HP-UX Workstations zu werfen. Hier eine Auswahl von 5 – und wie ich finde – sehr liebevoll durchdachten Geräten.

HP 9000/712

Aufgrund des Pizzabox-Designs war die HP 9000/712 ein sehr platzsparendes System. Verbaut war ein PA-RISC Prozessor mit bis zu 100 Mhz Taktfrequenz und 256 KB Cache. Das Gerät war sehr leise und konnte maximal 192 MB ECC-Arbeitsspeicher addressieren. Neben HP-UX 10.20, und 11iv1 (11.11) konnten auch Linux, BSD und NeXTSTEP installiert werden. Das System erschien 1994 und wurde für – je nach Konfiguration – 4.000 bis 15.000 Dollar verkauft.

HP 9000/712 (Quelle: http://blog.bluenode.de)

HP 9000/712 (Quelle: http://blog.bluenode.de) 

HP C3750

Die HP C3750-Workstation verfügte, wie ich persönlich finde, über ein sehr liebevoll gestaltetes Gehäuse, dessen größte Auffälligkeit wohl das integrierte LCD sein dürfte. Über diese integrierte Anzeige, die auch später bei den J-Workstations verbaut wurde, konnte man beispielsweise die POST-Ergebnisse mitverfolgen.

Die C3750 verfügt über eine PA-RISC CPU mit bis zu 875 Mhz Taktfrequenz und 1.5 MB Cache. Der Chipsatz erlaubte bis zu 8 GB ECC-SDRAM und verfügte über einen 64bit Highspeed PCI-Bus für Grafikkarten, da das System als Grafik-Workstation konzipiert war. Neben HP-UX 10.20 und 11iv1 (11.11) konnten auch Linux und BSD installiert werden.

Gehäuse der C3600/3700 (Foto: Quality Liquidators Inc.)

Gehäuse der C3600/3700 (Foto: Quality Liquidators Inc.)

HP J6750

Die HP Visualize J6750-Workstation hatte 19″-Format und konnte entweder in einem Rack verbaut oder mithilfe eines speziellen Standfußes auf den Tisch gestellt werden. Ursprünglich als Grafik-Workstation konzipiert, verfügte die Maschine über maximal 2 PA-RISC Prozessoren mit bis zu 875 Mhz Taktfrequenz – der verbaute Chipsatz erlaubte bis zu 16 GB ECC SDRAM. Das Gerät verfügte über eine integrierte Soundkarte und konnte entweder mit HP-UX in den Version 10.20 oder 11iv1 (11.11) oder Linux bzw. BSD betrieben werden.

Front einer J6000 (Quelle: http://www.openpa.net, Foto von D.Grevenstein)

Front einer J6000 (Quelle: http://www.openpa.net, Foto von D.Grevenstein)

HP C8000

Die C8000 war einer der letzte Vertreter der PA-RISC Workstation-Ära und die einzige, die mit dem leistungsstärksten PA-RISC Prozessor PA-8900 bestückt werden konnte. Es konnten bis zu zwei dieser Dual-Core CPUs mit maximal 1.1 Ghz Taktfrequenz und 64 MB Shared Cache verbaut werden. Dass das System für hohe Anforderungen konzipiert war, zeichnet sich auch dadurch aus, dass maximal 32 GB DDR2-ECC Speicher verbaut werden konnten. Auf der C8000 konnte lediglich HP-UX 11iv1 (11.11) installiert werden – es gab bedauerlicherweise nie offiziellen Support für die höheren Versionen 11iv2 (11.23) und 11iv3 (11.31).

Auch wenn es laut diversen Internet-Portalen möglich sein soll, BSD und Linux auf dem System zu betrieben, muss ich dem leider widersprechen. Debian Linux hat seinen HPPA-Support mit der aktuellen Version 6.x ohnehin eingestellt – ältere Versionen lassen sich zwar auf anderen PA-RISC Workstations, wie der C3750, installieren, aber leider nicht auf C8000. Der Grund hierfür ist vermutlich das Fehlen der Treiber für die recht exotischen und extravaganten Grafikkarten der C8000. Auch NetBSD, das bekanntlicherweise sogar auf einem Toaster installiert werden kann, bietet keinen Support für die C8000. Die C8000 ist also definitiv ein „HP-UX-only„-Gerät.

Meine HP C8000-Workstation

Meine HP C8000-Workstation 

HP ZX6000

Die ZX6000 war eine der wenigen Itanium-Workstations, die HP veröffentlicht hat. Das 2004 eingestellte Gerät war der letzte Vertreter dieser Produktlinie und verfügte über maximal 2 Intel Itanium2-Prozessoren mit bis zu 1.5 Ghz Taktfrequenz und 6 MB L3-Cache. Es konnten maximal 24 GB DDR2 ECC-Arbeitsspeicher verbaut werden. Die Maschine war die Workstation-Variante des HP Integrity RX2600-Servers und hatte im Gegensatz zu diesem keine redundante Netzteile, aber dafür leisere Lüfter und einen AGP-Slot (anstatt eines PCI-X-Slots), in welchem eine CAD-fähige Grafikkarte verbaut werden konnte.

Die ZX6000 hatte den gleichen futuristischen und ausgefallenen Standfuß wie die C8000 (siehe Bild) und konnte mit HP-UX 11iv2 (11.23) betrieben werden.

HP ZX6000 neben C8000

HP ZX6000-Workstation neben einer C8000 (Quelle: http://blog.tschokko.de)

Quellenangaben

Die technischen Details der Maschinen stammen größtenteils vom Online-Portal OpenPA.net, welches für jegliche HP-UX Geräte sehr ausführliche Informationen bereitstellt. Die Bilder der Geräte 9000/712, C3750, J6750 und ZX6000 stammen nicht von mir – gemäß der vom Autor gewählten Lizenz habe ich die Bilder kopiert. Mein Dank gilt den folgenden Personen und Firmen:

Das gezeigte Video des LCD der C3750 stammt von YouTube (Benutzerkonto DEJ915).

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