Mehr Spaß mit dem Androiden dank Root

Die Tage habe ich mich nach langer Überlegung dazu durchgerungen, meine beiden Android-Smartphones zu rooten. Der Hauptgrund war die mangelnde Update-Politik des Herstellers HTC. Im Prinzip muss man den Vorwurf aber nicht nur HTC sondern allen Herstellern von Android-Smartphones und -Tablets machen. Produkte werden möglichst schnell zu einem möglichst hohen Preis auf den Markt gebracht, um dann möglichst schnell durch neuere Geräte ersetzt zu werden. Dabei werden die Produktionen mehr und mehr von Wegwerf-Mentalität geprägt – so werden Smartphones mit Kartenslots und wechselbaren Akkus immer seltener.

Angenommen, mein Smartphone wäre defekt und ich müsste ein neues kaufen – ich wüsste nicht welches. Mein bisher favorisierter Hersteller HTC hat deutlich an Qualität abgebaut und wechselt derzeit auf die allgegenwärtige „fester Akku/kein Kartenslot„-Masche, was mir überhaupt nicht gefällt. Samsung hat hardware-technisch betrachtet stets sehr interessante Flagschiffe im Angebot, spart aber leider sehr bei der Gehäusekonstruktion. Das aktuelle Oberklasse-Modell S3 verfügt über sehr leistungsfähige Hardware – und ein billiges Plastikgehäuse. Die neuen Motorola-Geräte wären die einzige Alternative, die mir aktuell einfällt.

Und selbst wenn man dann ein neues Gerät gefunden hat, ist der folgende Ablauf meist bei allen Herstellern gleich. Nach einigen Monaten gibt es das Nachfolgermodell und spätestens 1 Jahr später gibt es keine Updates mehr für das teuer gekaufte Gerät. Noch schlimmer ist es, wenn der Hersteller Versprechungen für Updates macht, die er nicht einhalten kann. Ich besitze ein HTC Desire HD und habe mich sehr über die Ankündigung eines Android 4.x-Updates für das Gerät gefreut. Leider hat HTC die Release-Termine immer verschoben und das Update letztendlich (trotz Petition) doch abgesagt. Als Grund wurde genannt, dass im Rahmen des Updates Benutzerdaten verloren gehen, was für den Kunden nicht tragbar wäre. Das Argument kann ich aber nicht ganz nachvollziehen – es wäre doch möglich gewesen, dieses Update optional für technisch versierte Benutzer anzubieten. Genau so ist man nämlich beim Android 2.3-Update für das HTC Desire vorgegangen. Das Update stand nur inoffiziell über die HTC Entwicklerseite zur Verfügung. Ein solches Verfahren wäre deutliche fairer als die von HTC praktizierte „Verarsche“ gewesen.

Im Grunde stört mich die ganze Update-Politik der Smartphone-Hersteller. Updates für neuere Android-Versionen lassen meist lange auf sich warten und beinhalten jede Menge „Drittanbieter-Schrott„, den nicht jeder benötigt. Ein weiterer Kritikpunkt sind die alternativen Oberflächen der Hersteller. HTC Sense sieht beispielsweise recht edel aus, schränkt den Benutzer aber in seiner Anpassungsfreiheit ein (Bluetooth HID ist beispielsweise nicht mehr möglich). Samsung TouchWiz wertet, meiner Meinung nach, das Touch&Feel ab – es wirkt sehr verspielt. Der Hauptgrund, warum sich Android-Updates verspäten, sind immer diese alternativen Benutzeroberflächen, die mühsam angepasst werden müssen und – wie eben erwähnt – nicht immer Vorteile bringen.

Mit neueren Android-Versionen soll sich das aber ändern, da Google keiner alternativen Oberflächen mehr zulassen will. Meiner Meinung nach ist das genau richtig. Ein „nacktes“ Android überzeugt mit einer schnellen Benutzerschnittstelle und kommt ohne „Schnick-Schnack“ aus. Für Anwender, die mehr Wert auf Aussehen legen, gibt es zahlreiche alternative Launcher mit unterschiedlichen Effekten – so kann sich jeder Benutzer seine Oberfläche individuell anpassen.

Beim nächsten Smartphone-Kauf werde ich über den Erwerb eines Google Nexus-Geräts nachdenken – diese erhalten als erstes die begehrten Android-Updates und kommen ohne herstellerspezifische „Verbiegungen“ daher. Voraussetzung ist natürlich, dass der Akku wechselbar ist und eine Speicherkarte eingelegt werden kann. Bis dahin werde ich bei meinen beiden HTCs (Desire und Desire HD) bleiben – insbesondere letzteres steht aktuelleren Geräten qualitätstechnisch nicht nach. Wenn ich das DHD mit den aktuellen HTC’s und Samsung’s vergleiche, bin ich froh, dass ich nie über ein Upgrade nachgedacht habe.

Es ist beachtlich, wieviele alternative Android-Distributionen es für ältere Smartphones noch gibt. Für mein DHD gibt es beispielsweise aktuelle Android 4.1-ROMs – komisch, ich dachte das Gerät wäre veraltet? 😉

Natürlich ist die Qualität der ROMs nicht immer für den alltäglichen Einsatz ausreichend. Es bedarf ein wenig Evaluationszeit, bis man das „richtige ROM“ gefunden hat – die Auswahl ist eben groß. Wer etwas stabiles sucht, wird wohl mit Cyanogenmod glücklich werden. Cyanogenmod überzeugt mit einer minimalistischen, aber stabilen Software-Auswahl – so muss man die Google-Anwendungen nachrüsten und kann bewusst die Software nachinstallieren, die man wirklich benötigt. Facebook, SoundHound und Twitter gehören nicht zum Standard-Repertoire. 🙂

Diese ganze Freiheit hat natürlich auch einen Nachteil – man verliert in der Regel die Herstellergarantie. Darum habe ich auch so lange gezögert – meine Geräte verfügten noch über Garantie und ich war ein wenig konservativ, was diesen riskanten Schritt anbelangt.

Meiner Meinung nach macht Android aber erst richtig Spaß, wenn man ein alternatives ROM, das die individuellen Anforderungen abdeckt, installiert. Ich bereue den Schritt nicht und bin erstaunt, über wieviel Power meine Smartphones jetzt verfügen. 🙂

HTC Desire und Desire HD mit CyanogenMod

HTC Desire und Desire HD mit CyanogenMod

Schreibe einen Kommentar