Neue Strategieziele für Ubuntu: eigener Kernel, exklusive Hardware und die Cloud?

Zweifelsfrei ist Ubuntu eine der innovativsten Linux-Distributionen – nicht unbegründet verschaffte sie dem Linux-Desktop in den letzten Jahren mehr Benutzerfreundlichkeit und – daraus resultierend – auch eine höhere Akzeptanz beim Endanwender.

Aktuell brodelt wieder die Gerüchteküche – einigen verlässlichen Quellen zufolge sollen der Distribution zukünftig einige große Strategieänderungen – auf die ich in diesem Artikel eingehen möchte – widerfahren.

Neuer Unterbau: Fokus auf ARM – erstmals kein GNU/Linux?

Insider-Informationen zufolge soll mittelfristig der Umzug auf eine neue Kernel-Plattform erfolgen. In der Vergangenheit hat sich die Pflege des Linux-Kernels als sehr zeitaufwändig und komplex erwiesen. Spezielle Ubuntu-Anpassungen müssen nachträglich angewandt werden und neue Geräte-Treiber sind oftmals unreif, was die Begeisterung beim Kunden mindert.

Laut internen Analysen sind diese Probleme vorwiegend auf das nicht mehr zeitgemäße monolithische Design des Linux-Kernels zurückzuführen. Um dieses Problem mittelfristig zu lösen, finden bereits erste Tests auf alternativen Kernel-Architekturen statt. Sehr angetan ist man offensichtlich von einem nicht näher benannten unixoiden Hybrid-Kernel, der auf dem Mach-Prinzip aufbaut und über einzelne monolithische Elemente verfügt.

Ein weiteres Ziel ist es, den Hardware-Support auf einige exklusive Hersteller zu beschränken – diese sollen dann aber zu 100% unterstützt werden. Als potentielle Vertragspartner werden drei Computer-Hersteller aus Round Rock, Raleigh und Cupertino vermutet. Der Endanwender müsste sich so keine Gedanken mehr über Treibersupport machen und könnte aus dem breiten Produktportfolio der drei Hersteller auswählen.

Die klassische 32bit-Architektur i686 ist zukünfig nicht mehr von Interesse und soll einschlägigen Andeutungen zufolge mit dem kommenden Release „13.10 Sloppy Seagul“ eingestellt werden. Mittelfristig soll voraussichtlich auch die 64bit-Architektur x86_64 weichen – man möchte sich offensichtlich auf die Unterstützung von ARM-Geräten konzentrieren, da diese für den Consumer-Markt von größerem Interesse sind. Repräsentativen Studien und Marktanalysen zufolge sollen 2014 die Verkaufszahlen von Tablets und Smartphones viermal so hoch wie die konventioneller Personal Computer sein. Auf diesen Trend möchte man sich offensichtlich vorbereiten und alle technischen Strukturierungsmaßnahmen einleiten.

Die Ausrichtung auf den Consumer-Markt hat auch Auswirkungen auf die Pflege des Ubuntu Servers – er soll ab 2014 lediglich für ARM-basierte Server angeboten werden. Die Unterstützung für die i686- und x86_64-Architekturen wird vermutlich zeitgleich mit der Unterstützung der Desktop-Releases eingestellt.

Neue Release-Zyklen und Update-Mechanismen

Der übliche 6 monatige Release-Zyklus mit zusätzlichen 1,5 bis 2 Jahren Update-Pflege soll einem neuen als „Short Term Support (STS)“ bezeichneten System weichen. Zukünftige Releases werden bis zu 6 Monate lang mit Sicherheitsupdates versorgt.

Primärziel dieser Umstrukturierung ist es, immer die neueste Software anbieten zu können. Durch die Einsparung von Arbeitszeit für erweiterten Hardware-Support (siehe oben) steht mehr Man-Power zur Verfügung, um neueste Software unter verschiedenen Aspekten zu testen und (falls notwendig) zu patchen.

Updates und zusätzliche Anwendungen sollen zukünftig nicht mehr über apt oder aptitude bezogen werden können, hier soll ein Subskiptionsprinzip, welches sich bei zahlreichen Enterprise Linux-Distributionen etabliert hat, zum Tragen kommen. Diese Subskriptionen sollen über einen eigenen Multimedia-Store, der auch Filme und Bücher anbietet, erworben werden können. Zusätzliche Anwendungen werden als separate käufliche „Apps“ angeboten.

Software-Vereinheitlichung

Neben der Kernel-Wartung hat sich ein weiteres Ziel herauskristallisiert: die Standardisierung des umfangreichen Software-Portfolios von Ubuntu.

Aktuell gibt es für Ubuntu zahlreiche Desktop-Umgebungen, unter anderem GNOME, KDE und LXDE. Diese Programm-Vielfalt entspricht nicht mehr der ursprünglichen Ubuntu-Faustregel, für jede Aufgabe eine Anwendung zur Verfügung zu stellen.

Die oben erwähnten Desktop-Umgebungen verfolgen jeweils eigene Ziele und haben allesamt Vor- und Nachteile, die es zu vereinen gilt.

Nachdem im März 2013 die Arbeit an Mir, einem eigenen Display-Server, bekannt gegeben wurde, will man zukünftig noch einen Schritt weiter gehen – die Entwicklung einer eigenen Desktop-Umgebung. Sie soll den Namen Ubuntu Desktop Environment (UDE) tragen und mit einem aufgeräumten Erscheinungsbild überzeugen. Eine Steuerung mit Maus und externer Tastatur ist nicht vorgesehen – stattdessen soll eine sehr ausgereifte Spracherkennung, die in Zusammenarbeit mit hessischen und schwäbischen Universitäten entstand, zum Einsatz kommen. Zahlreiche interne Tests verliefen sehr zufriedenstellend und versprechen eine globale Anwender-Begeisterung.

Anwendungen sollen zukünftig ausschließlich im Vollbild-Modus ausgeführt werden – ein Prinzip, das man schon heute von Smartphones und Tablets kennt. Wegfallen soll der Support von Multitasking, da Benutzer – laut eigenen Analysen – in der Regel ohnehin nie mehr als eine Anwendung gleichzeitig bedienen.

Ab in die Cloud: komplette Ubuntu One-Anbindung

Nachdem 2009 mit Ubuntu One erstmals Cloudspeicher zur Verfügung gestellt wurde, möchte man zukünftig offensichtlich das Ganze toppen und lokale Benutzerkonten aus dem Funktionsumfang des freien Betriebssystems entfernen.

Benutzerkonten sollen zukünftig über das populäre soziale Netzwerk Facebook implementiert werden. Da persönliche Daten zukünftig nicht mehr auf einer dedizierten /home-Partition sondern ausschließlich auf Ubuntu One gesichert werden sollen, ergibt sich für den Benutzer der Vorteil der wegfallenden (aufwändigen) Datensynchronisation. Anwender können sich auf jedem Ubuntu-Endgerät mit Gesichtserkennung oder einem dreistelligen Sicherheitscode einloggen und auf ihre sensiblen Daten zugreifen.

Angeschlossene USB-Datenspeicher sollen automatisch in die Cloud aufgenommen werden. Vorhandenes Musik- oder Filmmaterial soll automatisiert mit eingeschlägigen Internet-Portalen synchronisiert werden.

Ausblick: erste Screenshots und neue Release-Namen

Nachdem man früher die Namen zukünftiger Releases eher kurzfristig entschied und bekanntgab, wurden nun erstmal im Voraus zahlreiche Namen festgelegt. Hier bleibt man beim altbewährten System und verwendet weiterhin Tiernamen in Kombination mit Adjektiven als Codenamen:

Release Codename + Übersetzung
13.10 Sloppy Seagull – schlampige Seemöwe
14.04 Trendy Turkey – modischer Truthahn
14.10 Ubiquitous Unicorn – allgegenwärtiges Einhorn
15.04 Violet Vulture – violetter Geier
15.10 Wretched Worm – erbärmlicher Wurm

Erste geheime Screenshots der zukünftigen Benutzeroberfläche „Ubuntu Desktop Environment (UDE)“ haben bereits den Weg ins weltweite Netz gefunden – sie sind hier zu finden: [klick mich!]

Ein Video von UDE in Aktion gibt es hier: [klick mich!]

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bis zur Spracheingabe klang das alles noch durchaus plausibel :/ In jedem Aprilscherz stecken ein paar Körnchen Wahrheit – bei Canonical eher mehr.

  2. w o.o w Bis zum Screenshot dachte ich echt, es wäre ernst: Wies ms schon schreibt ^^ Ubiquitous Unicorn klingt echt GEIL – ist das von dir :D?

  3. Meine Fresse, ich habe das echt geschluckt und schon einen dicken Hals bekommen! Und das im September! Gestutzt habe ich erst bei den hesischen Universitäten. Respekt!

Schreibe einen Kommentar