CDE unter Debian Squeeze

Das Common Desktop Environment (kurz CDE) dürfte einigen Administratoren oder IT-Interessierten aus älteren UNIX-Tagen noch bekannt vorkommen. 1993 eingeführt, war er über 10 Jahre lang der Standard-Desktop der bekannten Unix-Betriebssysteme HP-UX, IBM AIX, Sun Solaris und Tru64. Während sich Solaris vor 3 Jahren endgültig von CDE trennte, findet der stark angestaubte Desktop immer noch unter HP-UX, AIX und OpenVMS Verwendung.

2006 wurde eine Petition gestartet – Inhalt dieser war die Freilegung des CDE-Programmcodes. Nach 6 Jahren wurde der lang ersehnte Quellcode im September 2012 veröffentlicht. CDE steht seitdem in einer Alpha-Version für Linux zur Verfügung.

Zur Liste der derzeit unterstützten Linux-Distributionen gehört auch Debian Squeeze – Zeit, sich das Ganze auch mal anzuschauen, oder? 😉

Vorbereitung

Sofern noch nicht vorhanden, müssen HAL, DBUS und die X-Server Kernkomponenten installiert werden:

# apt-get install xserver-xorg-core xinit dbus hal xserver-xorg-input-kbd xserver-xorg-input-mouse xserver-xorg-input-vmmouse

CDE benötigt noch einige Entwicklerwerkzeuge und -bibliotheken, die ebenfalls nachinstalliert werden müssen:

# apt-get install git libxp-dev libxt-dev libxmu-dev libxft-dev libxaw7-dev libx11-dev libjpeg-dev libjpeg62-dev libfreetype6-dev lesstif2 x11-xserver-utils ksh m4 ncompress xfonts-100dpi* rpcbind bison xbitmaps libmotif* x11-xserver-utils tcl-dev lprng

Übersetzung

Der Quellcode kann entweder über den GIT-Mirror oder über einen aktuellen Tar-Snapshot bezogen werden. Anschließend werden X-Server Header verlinkt und CDE übersetzt. Nach erfolgreicher Übersetzung werden Installations- und Konfigurationsskripte ausgeführt und ein Spool-Directory für die Kalender-Anwendung angelegt.

Weitere Informationen finden sich in der offiziellen Installationsanleitung: [klick mich!]

# w3m http://downloads.sourceforge.net/project/cdesktopenv/src/cde-src-2.2.0c-alpha.tar.gz
# tar xfz cde-src-2.2.0c-alpha.tar.gz
# cd cdesktopenv-code/cde
# mkdir -p imports/x11/include
# cd imports/x11/include
# ln -s /usr/include/X11 .
# cd cdesktopenv-code/cde
# make World
# admin/IntegTools/dbTools/installCDE -s /path-to-cdesktopenv-code/cde/
# admin/IntegTools/post_install/linux/configRun -e
# chmod -R a+rwx /var/dt
# mkdir -p /usr/spool/calendar

Display-Manager

Man kann entweder den ebenfalls auf Motif basierenden dtlogin Display-Manager verwenden…

# export PATH=$PATH:/usr/dt/bin
# LANG=C /usr/dt/bin/dtlogin

…oder einen neueren Display-Manager, wie beispielsweise SLiM, dahingehend konfigurieren, dass er CDE startet:

# apt-get install slim
# vi /etc/slim.conf
...
#login_cmd           exec /bin/bash -login /etc/X11/Xsession %session
login_cmd        exec /bin/bash -login /usr/dt/bin/startxsession.sh

ESC ZZ

# vi /usr/dt/bin/startxsession.sh
#!/bin/sh
export PATH=$PATH:/usr/dt/bin
export LANG=C
/usr/dt/bin/Xsession

ESC ZZ

# service slim start

Galerie

Anbei natürlich noch einige Screenshots des Retro-Desktops:

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. CDE läuft auch gut auf einem raspberry pi und fühlt sich dort etwas flotter an als LXDE. Zumindestens kann man im Terminal oder Texteditor flüssig scrollen.

    • Hallo!
      Raspbian ist mir gestern auch in der Liste aufgefallen – muss ich mir auch mal anschauen. Wie lange hat das Übersetzen bei Dir gebraucht?
      Jetzt müsste CDE nur noch UTF-8 beherrschen, damit man damit sinnvoll arbeiten kann. 😀

      Beste Grüße!

  2. Ich erinnere mich nicht mehr genau, aber 3 bis 4 Stunden hat das sicher gedauert. Da es auch keine Binär-Pakete für OpenMotif für raspbian gibt, muss man das auch noch kompilieren, was auch ne Weile dauert 😀

    • Hui, das ist eine ganze Menge. Aber gut, die CPU-Power des RPi’s ist natürlich auch beschränkt. 😉

      Da könnte man doch glatt mal darüber nachdenken, Binärpakete zu bauen und über ein eigenes Repository der breiten Masse anzubieten.. *grübel*

      Beste Grüße!

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