Mac OS X – Bericht eines Umsteigers nach 60 Tagen

Aufmerksame Leser meines Blogs oder Twitter-Feeds werden festgestellt haben, dass mich seit knapp zwei Monaten auch OS X-relevante Themen beschäftigen. Das hängt damit zusammen, dass ich einen Plattformwechsel meines Notebooks von Microsoft Windows nach Mac OS X vollzogen habe.

Warum?

Um ehrlich zu sein, gab es keinen gravierenden Grund für den Wechsel. Ich arbeite seit Kindesalter mit Microsoft Windows (genauer gesagt seit Version 3.1) und bin nach einem eher kurzen Ausflug in das Linux Desktop-Lager vor einigen Jahren letztendlich wieder bei Microsoft Windows gelandet. Nachdem auch meine kürzlichen Gehversuche mit Linux auf dem Desktop keineswegs zufriedenstellend verlaufen sind, hatte ich Lust auf eine radikalere Veränderung. Bereits vor knapp 2 Jahren konnte ich auf einem Mac Mini erste positive Erfahrungen mit OS X sammeln und entschied mich daher kurzerhand mein Thinkpad gegen ein MacBook zu ersetzen – ein Erneuerung der Hardware hätte ohnehin bald angestanden, da das T420s meine Anforderungen nicht mehr erfüllte.

Hardware-Auswahl

Arbeitsplatz

Arbeitsplatz

Nachdem ich anfänglich mit einem MacBook Air liebäugelte, fiel die Entscheidung letztendlich auf ein MacBook Pro Retina 13,3. Der Hauptgrund für das MacBook Air war der niedrige Einstiegspreis von rund 900 Euro. Aufgrund des niedrigen Arbeitsspeichers von 4 GB und dem niedrig auflösenden Display kam der Kauf nicht zustande. Über ein Online-Sonderangebot konnte ich ui einem vergleichbaren Preis ein MacBook Pro mit Retina-Display und einer deutlich üppigeren Hardware-Konfiguration erwerben. Der Aufpreis war vergleichsweise gering und das Angebot somit bedeutend lukrativer. Mein Gerät verfügt über folgende Konfiguration:

  • 13,3 Zoll Retina-Display mit 2560×1600 Pixel Auflösung
  • Intel Core i5-Prozessor (i5-4258U, 2,4 Ghz, 3 MB L3)
  • 8 GB Arbeitsspeicher
  • 256 GB SSD
mStand + Thunderbolt Dock

mStand + Thunderbolt Dock

Für den Einsatz zuhause habe ich darüber hinaus eine Elgato Thunderbolt Docking-Station erworben. Diese ergänzt optisch das Rain mStand und verbindet das MacBook mit meinem Gigabit-Netzwerk, Tastatur, Maus und einem DELL U2713H Bildschirm. Dieser ersetzt meine bisherigen Samsung SyncMaster 2433LW Bildschirme. Nachdem ich knapp zwei Wochen lang ausschließlich am Retina-Display gearbeitet habe, erschien mir die Auflösung und die Abbildungsleistung meiner 5 Jahren Samsung-Bildschirme als nicht mehr zeitgemäß. Da die Auflösung des neuen Bildschirms der des Retina-Displays gleicht benötige ich keinen zweiten Bildschirm mehr und habe als netten Nebeneffekt mehr Platz auf dem Schreibtisch. Wird temporär mehr virtuelle Ablagefläche benötigt, kann ich den Bildschirm des MacBooks nutzen, um den Desktop zu erweitern.

Programm-Alternativen

Die meisten Hürden bei einem radikalen Plattformwechsel ergeben sich bei der Auswahl der verwendeten Software. Insbesondere wenn man seit vielen Jahren ein Betriebssystem verwendet hat, kann es schwierig sein, adäquate Alternativen zu finden. Glücklicherweise ist ein Teil der von mir verwendeten Software (Firefox, Opera, Citrix, Skype, VLC,…) plattformunabhängig, sodass ich hier keine Alternativen suchen musste. Für die restliche Software konnte ich passende Alternativprodukte finden:

  • Microsoft Office 2010 => Microsoft Office for Mac 2011 (*)
  • VMware Workstation => VMware Fusion (*)
  • WinRAR => UnrarX
  • Texmaker => TeXnicle
  • Camtasia => Camtasia 2 for Mac (*)
  • KeePass => KyPass Companion (*)
  • OpenVPN => Viscocity (*)
  • Photoshop => GIMP
  • Filezilla => Cyberduck

(*) = kostenpflichtig

Bei manchen Anwendungen war es notwendig, zusätzliche Lizenzen zu erwerben. Darüber hinaus haben sich die folgenden Programme und Werkzeuge für mich als sinnvolle Erweiterung erwiesen:

  • Airmail (kostenpflichtig) – meiner Meinung nach der beste Mail-Client für OS X
  • Android File Transfer – OS X unterstützt das MTP-Protokoll nicht, mithilfe des Programms können Daten zwischen Smartphone und Computer ausgetauscht werden
  • iStat – Anzeige von Batterie-/Netzwerk-/CPU-/RAM- und Akku-Statistiken
  • Microsoft Remote Desktop – offizieller Microsoft RDP-Client

Für einige Anwendungsgebiete benötige ich nun keine dedizierte Software mehr. Mir war früher die fehlende CalDAV/CardDAV-Unterstützung von Microsoft Office ein Dorn im Auge. Zwar gibt es hierfür zusätzliche Anwendungen, leider bekam ich jedoch keine funktionierende Synchronisation zustande. Daraus resultierend wurde die Pflege von Kalendereinträgen und Kontakten ausschließlich auf dem Smartphone und Tablet durchgeführt. OS X verfügt hier über eine native Unterstützung, ich konnte meine Baikal-Datenstände problemlos weiterverwenden.

Fazit

Eingedocktes MacBook Pro

Eingedocktes MacBook Pro

Nach knapp 2 Monaten habe ich mich an den Umgang mit OS X gewöhnt. Probleme ergeben sich mir meistens nur, wenn ich zwischen den einzelnen Plattformen wechsele und in die Tastenkombinationen-Falle tappe – beispielsweise wenn ich nach dem Wochenende wieder am Firmen-Rechner mit installiertem Microsoft Windows sitze.

Mit der Hardware des MacBook Pros bin ich äußerst zufrieden. Besonders hervorheben möchte ich die extreme Abbildungsleistung des Retina-Displays. Entgegen meiner vorherigen Befürchtung störe ich mich auch nicht am leichten Glanz des Panels (es wäre mir früher nicht einmal entfernt in den Sinn gekommen, ein solches Display zu dulden). An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass „glossy“ nicht gleich „glossy“ ist. Wenn ich an glänzende Bildschirme denke, assoziiere ich damit minderwertige Panels, wie sie immer bei Low-Budget-Notebooks verbaut werden. Beim Retina-Display ergibt sich sprichtwörtlich ein anderes Bild – das Panel glänzt zwar, aber deutlich schwächer, sodass auch Outdoor-Arbeiten möglich sind. Die Akku-Leistung des MacBooks übersteigt die meines Thinkpads bei weitem – was jedoch nicht nur dem Alter geschuldet ist. Ebenfalls positiv anmerken muss ich die flüsterleise Lüftung, die ich nur selten wahrnehmen muss – hier hat mich das T420s oft verärgert. Als früherer Thinkpad-Fan war ich ein Verfechter der legendären Tastatur, muss jedoch zugeben, dass das Tippgefühl der Apple-Tastatur zumindest vergleichbar ist. Auf ihr lässt sich gut tippen und auch der Anschlag ist sehr angenehm. Über beleuchtete Tastaturen lässt sich bekanntlicherweise streiten – ich empfinde die Hintergrundbeleuchtung als adäquaten Ersatz des Thinklights. Ein Thinkpad-Feature, welches ich wirklich vermisse ist der fehlende Docking-Port. Zwar habe ich mit dem Thunderbolt-Dock ebenfalls eine Docking-Station gefunden, jedoch muss ich für den Einsatz am Schreibtisch zwei Kabel anschließen: nämlich das Strom- und das Thunderbolt-Kabel. Beim Thinkpad genügte hier das komfortable Einrasten des Notebooks. Hinsichtlich der Erweiterbarkeit muss man ebenfalls kompromissbereit sein, wenn man von einem klassischen Notebook auf ein MacBook wechseln möchte. Meine Notebooks verfügten bisher immer über eine SSD (für das Betriebssystem und Anwendungen) und eine konventionelle Festplatte für „unwichtige“ Datenmassen (vollständige Musiksammlung, virtuelle Maschinen, etc.). Bei einem MacBook besteht diese Option schlichtweg nicht, weswegen man sich für eine SSD oder eine Festplatte entscheiden muss. Die daraus resultierende Maßnahme war für mich ein MacBook mit einer adäquaten SSD zu bestellen und selten benötigte Daten auf mein NAS auszulagern.

OS X ist für mich ein gelungener Kompromiss zwischen einem „einfach funktionierenden Desktop“ und einem unixoiden Betriebssystem, bei welchem man als Power-User auf einen vollständigen Satz bekannter Unix-Software zurückgreifen kann. Linux hätte mich als Desktop-Betriebssystem auch sehr gereizt, jedoch haben sämtliche Experimente gezeigt, dass Linux für mich als Endanwender mit hohen Ansprüchen zumindest für die nächsten Jahre keine ernstzunehmende Alternative sein kann.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Moin! Sag mal, ich habe ein paar Fragen an Dich den Kauf des MBPr 13’s angehend… reichen die 8GB RAM? Ich habe die letzten Jahre jetzt mit 16GB verbracht, und diverse Male unter Win mit diversen Browsern (und wirklich hunderten Tabs) gerne mal die 10-14GB RAM überschritten. Kommst Du mit den 8 standardmässig verbauten GB hin?

    Und wie ist das mit der Auflösung – ich habe viel darüber gelesen, dass die Größe standardmässig auf 1280×800 interpoliert wird. Bei Bedarf kann man das auf bis zu 1680×1050 raufschrauben in den Einstellungen. Und dann ruckelt die UI angeblich – kannst Du das bestätigen?

    Vielen Dank!

  2. Ah, eine weitere Frage. Du hast ja auch einen Umstieg von relativ aktuellen Plattformen (die auch noch performant sind) gemacht, fehlt Dir irgendwo Leistung? Wenn Du das Ding an einen externen Monitor hängst und dann da Multitasking betreibst?

    Zur Zeit fahre ich auf einem i7 2620m, 256GB 840 EVO und 16GB DDR3. Die Akkulaufzeit liegt bei mir zur Zeit bei definitiv etwas über 8h – der Preis den ich zahle: Geringe Auflösung und ewig viel Gewicht. Auch geht das Ding nach 3 Jahren wirklich aus dem Leim…

    Performancetechnisch reicht mir das Ding noch, aber Gewicht / für diese Akkulaufzeit.. da bin ich inzwischen recht unkompromisswillig, weil es ja doch so viel besser zu gehen scheint..

    Kannst Du dazu noch ein bisschen sagen? Danke!

    • Hi!

      Zu meiner Arbeitsweise muss ich sagen, dass ich früher auch sehr viel mit lokalen VMs gearbeitet habe. Seit ich einen stärken ESXi Homeserver besitze, hat sich das geändert. Ich führe nur noch selten lokal virtuelle Maschinen aus – wenn, dann lediglich eine parallel. Ich komme daher mit den 8 GB aus – weniger sollten es aber definitiv nicht sein. Prinzipiell gibt es aber weiterhin Software, die sehr speicherhungrig und -ineffizient ist – je nachdem, welche Software Du nutzt, werden die 8 GB vielleicht knapp. Ein besonders prominentes Beispiel ist hier Firefox.

      Das Ruckeln der grafischen Oberfläche bei maximaler Displayauflösung trifft auf manche Anwendungen zu. Das ist unschön – stört mich persönlich aber nicht so, solange die Anwendung an sich ohne Ruckler funktioniert. Diesen Effekt habe ich insbesondere bei Firefox und Microsoft Office 2011. Der Effekt besteht auch bei einem angeschlossenen zweiten Bildschirm. Ich weiß nicht, ob das mit dem Grafikchip zusammenhängt. Wäre interessant, hier mal mit einem MacBook Pro 15″ mit NVIDIA-Grafikkarte „herumzuspielen“. 🙂

      Was ich am MacBook Pro sehr schätze ist das geringe Gewicht und das hochauflösende Display in Kombination mit der hohen Akkulaufzeit. Welches Gerät hast Du denn aktuell? Ich besaß vorher ein T420s mit einem i7-2640m, 8 GB RAM und einer 120 GB mSATA-SSD. Performance-technisch war da kein großer Unterschied – allerdings sind die Abwärme, Lüfterlaufstärke und Akkulaufzeit ein großer Vorteil gegenüber dem Thinkpad.

      Ich hoffe ich konnte dir helfen – sag Bescheid, wenn dir noch weitere Informationen fehlen!

      Beste Grüße,
      Christian.

    • Hi Torsten,
      da stimme ich dir prinzipiell schon zu. Für einfache Dinge, wie z.B. mal eben ein Bild leicht verändern, geht es schon „irgendwie“. Größere Dinge mache ich aber definitiv nur an meinem Windows-PC, auf welchem die Creative Suite 5 läuft. 🙂

      Grüße,
      Christian.

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