Mercedes-Benz E220 CDI (W212) Fahrbericht

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, eine Mercedes-Benz E-Klasse zu fahren. Für mich war das der erste Mercedes-Benz überhaupt, den ich selbst gefahren habe. Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt, das Fahrzeug ausgiebig zu testen und meine Eindrücke zusammenzufassen.

Technische Daten

Das Fahrzeug verfügte über die folgenden Eckdaten:

Modellbezeichnung E 220 BlueTEC BlueEFFICIENCY Edition
Bauserie W 212
Baujahr 2014
Hubraum / Zylinder 2143 cm³ / R4
Leistung in PS 170 PS (bei 3000 – 4200/min)
Drehmoment 400nm (bei 1400 – 2800/min)
Getriebe 7G-Tronic Plus (7-Gang Automatik)
Antrieb Heckantrieb
Beschleunigung 0 – 100 in 8,4 Sekunden
Einspritzung Common-Rail
Aufladung Bi-Turbo
Verbrauch 4,6l (kombiniert, Herstellerangabe)
CO²-Emissionen 126 g/km
Leergewicht 1735 kg

Erster Eindruck

Das Fahrzeug ist wirklich ein „Hingucker„, an dem man nicht ungeachtet vorbeiläuft. Mit der edlen Limousine fällt man auf – was nicht zuletzt den knapp 4,9 Metern Fahrzeuglänge geschuldet sein dürfte. Wenn man das Fahrzeug das erste Mal rangiert, wird einem die Wucht des Fahrzeugs erst richtig bewusst. Solange man das Fahrzeug nicht in „rentner-beige“ bestellt, erscheint die E-Klasse in einem dezenten, aber edlen Look. Die neu gestalteten Bi-Xenon Scheinwerfer werten das Fahrzeug im Vergleich zur vorherigen Bauserie W211 deutlich auf. Die optionalen LED-Scheinwerfer gefallen mir noch besser. Mir gefällt, dass das Mercedes Benz-Emblem beim mir zur Verfügung gestellten Facelift-Modell nicht mehr auf der Motorhaube sondern am Kühlergrill angebracht wurde – das ist deutlich moderner und bereinigt das etwas eingesessene Image der E-Klasse.

Interieur und Exterieur

Sowohl das Interieur als auch das Exterieur sind von einem zeitlosen Design geprägt – das, was begeisterte Mercedes-Benz Fans zu schätzen wissen. Der Innenraum des mir zu Verfügung gestellten Fahrzeugs wird von dunklem Sumpfholz verziert – ein edler und gehobener Look unterstreicht den Charme der oberen Mittelklasse aus Stuttgart. Der Innenraum, der mit silbernen Elementen abgerundet wird, ist sehr hochwertig verarbeitet. An keinen Stellen gibt der Innenraum nach und alles wirkt gut aufeinander abgestimmt. Auffällig ist das großzügige Platzangebot der E-Klasse. Durch den Wegfall des Schaltungshebels und der klassischen Handbremse, die noch bei der vorherigen Generation W211 vorhanden waren, entstand Raum für ein Ablagefach. In diesem ist ein unter anderem ein USB-Port angebracht, über welchen das Radio mit MP3-Dateien betankt werden kann. Über dem Ablagefach ist ein Multifunktionsrad angebracht, das zur Steuerung sämtlicher Funktionen des Entertainment-Systems verwendet wird. Die Bedienung ist sehr intuitiv und schnell erlernt. Sämtliche Bedienelemente und auch das Ablagefach werden mit LEDs beleuchtet, was besonders im Dunkeln sehr harmonisch wirkt. Die Außenspiegel beleuchten über an der Unterseite angebrachte Lampen die Türen. Das Navigationssystem arbeitet, soweit ich das in wenigen Tagen testen konnte, sehr zuverlässig. Die Anzeige im Display ist ruckelfrei, was bei Navigationssystemen aktueller Fahrzeuge leider keine Selbstverständlichkeit ist.

Das Soundsystem besteht aus 8 Lautsprechern und hat einen satten Klang, besonders die Höhen haben einen angenehmen Klang. Leider fehlt dem Entertainment-System ein vollwertiger Equalizer – zumindest konnte ich keinen im Menü finden. Bei manchem Soundmaterial lässt sich demnach ein suboptimaler Klang nicht vermeiden. Über das Display lässt sich der Mittelpunkt des Klangs verschieben – beispielsweise auf den Fahrersitz. Es lassen sich auch Musikstücke über Bluetooth oder Apple-Geräte (iPod, iPhone, iPad) abspielen. Das Display ist 5,7 Zoll groß – optional gibt es auch ein 7 Zoll Display mit 100 GB Festplatte (wovon 10 GB für Musikdaten verwendet werden können).

Fahrerlebnis

Auffällig ist das sehr komfortable Fahrwerk – ein hoher Komfort prägt das Fahrerlebnis der E-Klasse. Das Gänge werden butterweich automatisiert gewechselt und alles wirkt sehr gut aufeinander abgestimmt. Mir persönlich als Fahrer eines Sportcoupés ist das eine Spur zu viel Perfektion. Amüsant aber auch gewöhnungsbedürftig ist der Wechsel der Automatikmodi (P, R, N und D) über einen Hebel am Lenkrad – mich hat das an die Schaltung alter US-Fahrzeuge erinnert. Darüber hinaus verfügt der E220 auch über Schaltwippen am Lenkrad, falls ein manueller Gangwechsel gewünscht ist. Standardmäßig arbeitet das Automatikgetriebe im Economy-Modus, über einen Knopf neben dem Multifunktionsrad in der Mittelkonsole lassen sich die Schaltpunkte im „Sport„-Programm jedoch auch anpassen. Es gibt auch einen mit „Eco“ beschrifteten Knopf, welcher aber lediglich das Start-Stop-System steuert – das ist im ersten Moment etwas irreführend. Die Motorisierung der mir zu Verfügung gestellten E-Klasse ist aufgrund der Fahrzeuglänge und des Gewichts eher durchschnittlich. Der Turbolader für die unteren Drehzahlbereich ist bei deaktivertem Economy-Modus durchzugsstark, ab ca. 130 km/h lässt die Beschleunigung spürbar nach – was aber bei knapp 1,8 Tonnen Gewicht durchaus verständlich ist. Ich bin Kurzstrecken-Fahrer und fahre mehr innerorts – was sich mit 9 Liter kombinierten Verbrauch niederschlug. Bei Autobahn-Fahrten ist der E220 logischweise jedoch bedeutend sparsamer. Der Heckantrieb war für mich gewöhnungsbedürftig, ich bin bisher lediglich Fahrzeuge mit Frontantrieb gefahren. Bedingt durch die Fahrzeuglänge und das Gewicht muss mehr Augenmerk auf die Geschwindigkeit bei manchen Fahrsituationen gelegt werden – als Fahrer eines Sportcoupés war das für mich eine neue Erfahrung. Die Handbremse befindet sich an der linken Fahrzeugseite neben den Pedalen, über einen dedizierten Hebel wird sie entriegelt.

Der „analoge“ Tachometer verfügt über ein Farbdisplay, welches die einzelnen Informationen des Entertainment-Systems anzeigen kann. Bei aktiviertem Tempomat oder Geschwindigkeitsbegrenzer wird zudem eine kreisrunde Skala eingeblendet – sehr schön! Das Farbdisplay weist eine hohe Schärfe auf und ist auch bei suboptimalen Lichtverhältnissen gut lesbar. Die Fernlicht-Automatik reagiert nicht immer so schnell, wie es manche Straßensituationen erfordern. Gewöhnungsbedürftig ist auch die Einparkhilfe. Während bei vielen anderen Fahrzeugen eine entsprechende Anzeige im Entertainment-System gegeben ist, kommen beim Stuttgarter lediglich LED-Leisten, die die Abstände in den Fahrzeugregionen (vorne und hinten, links und rechts) anzeigen. Kommt man einem Hindernis zu nahe, sind entsprechende Warntöne hörbar – für meinen Geschmack jedoch recht spät.

Fazit

Der E220 ist durchaus ein interessantes Fahrzeug. Die Verarbeitungsqualität ist sehr hochwertig – es gibt keine klappernden Elemente und alles wirkt gut aufeinander abgestimmt. Mit einem solchen fahrbaren Untersatz fällt man auf, was dem fast schon dekadenten Interieur und Exterieur geschuldet ist.

Doch, würde ich tauschen? Nein. Die Qualität weiß zu überzeugen, aber mir persönlich ist das Fahrzeug zu edel und zu konservativ. Das ist aber auch nicht verwunderlich, schließlich bin ich nicht die Zielgruppe des Produkts – der aktuellen A– bzw. CLA-Klasse dürfte ich wohl eher entsprechen. Insbesondere mit der CLA-Klasse bietet Mercedes-Benz offensichtlich ein sehr sportliches Fahrzeug an. Hinsichtlich der Fahrzeuggröße und des Gewichts ist die Motorisierung eher durchschnittlich – die Kennzahlen versprechen im ersten Moment mehr Fahrspaß, als letztendlich geboten wird. Aber auch hier muss man anmerken, dass die E-Klasse nicht als sportliche Fahrzeugklasse konzipiert wurde. Sie ist vielmehr als obere Mittelklasse anzusehen, die ein edles Design mit einem komfortablen Fahrerlebnis vereint – und das löst sie wirklich gut. In Kombination mit einer höheren Motorisierung, wie beispielsweise dem E250 oder E300, dürfte sich auch der Fahrspaß-Faktor optimieren lassen.

Mich persönlich würde als Kontrastprogramm eine Probefahrt mit einem Mercedes-Benz CLA 250 interessieren. 🙂

Zusammengefasst nochmal meine Anmerkungen als Tabelle für die jenigen, die zu faul waren, den Artikel zu lesen:

Sehr hochwertiges und edles Design Heckantrieb Fernlichtautomatik teilweise zu langsam
Großzügies Ablagenangebot Durchschnittliche Motorisierung Minimalistische Einparkhilfe
Ansprechend gestaltete Scheinwerfer
Komfortables Verhalten des Automatikgetriebes, Schaltwippen
Umfangreiches Entertainment-System mit komfortabler Bedienung
Hochwertiges Soundsystem mit leichten Schwächen
Positiv Neutral Negativ

Galerie

Anbei noch einige Bilder des Fahrzeugs:

  • Veröffentlicht in: Auto

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