VMware ESXi Embedded Host Client-Fling

Eines der Gerüchte rund um VMware vSphere 6 war seinerzeits die Vermutung, dass eine abgespeckte Version des vSphere Web Clients Einzug in ESXi erhalten wird, um den in die Jahre gekommenen vSphere Client (Legacy-Client) zu ersetzen. Während es unter ESX noch eine entsprechende web-basierte Administrationskonsole gab, wurde diese in ESXi komplett entfernt. Die Web-Schnittstelle von ESXi dient seither nur noch zum Durchsuchen von Datenspeicher und Download des vSphere Clients, um das System zu verwalten.

Seit einigen Tagen bietet VMware ein Fling an, das genau diese Lücke schließt. Flings sind Werkzeuge und Anwendungen, die von VMware-Engineers zu Testzwecken erstellt werden. Sie sind in der Regel sehr nützlich, werden aber nicht vom VMware Support abgedeckt und sind daher nicht für den produktiven Einsatz konzipiert. Das Fling trägt den Namen ESXi Embedded Host Client und erweitert einen ESXi-Host um eine Web-Administrationsoberfläche, die stark an vSphere Web Client erinnert. Um einen ESXi-Host zu administrieren, genügt dann ein konventioneller Web-Browser. Bemerkenswert ist, dass diese Oberfläche gänzlich ohne Adobe Flex auskommt und somit sehr schnell reagiert. Tester der vSphere 6-Beta erkennen hier einige Parallelen zu einer vorherigen Entwicklungsstudie.

Client-Übersicht

Client-Übersicht

Die Administrationsoberfläche orientiert sich optisch an den aktuellen Web Client und deckt jetzt schon (es gibt derzeit nur eine erste Version) fast alle Funktionen des abgekündigten vSphere Clients ab, darunter:

  • Steuern, Erstellen, Bearbeiten, Registrieren und Löschen von VMs und Appliances
  • Verwenden der VM-Konsole
  • Konfigurieren von Netzwerken und Storage
  • Verwalten von ESXi-Lizenzen, erweiterten System-Einstellungen und NTP
  • Durchsuchen und Verwalten von Datenspeichern
  • Anzeigen und Abbrechen von Aufgaben
  • Einsehen von Events und Logs, Generieren von Support Log-Bundles
  • Anzeigen von VM-, Datenspeicher-, Netzwerk- und Host-Leistungsgraphen

Installation

Der Client kann auf den ESXi-Versionen 6.0 und 5.5U3 (sobald diese erschienen ist) installiert werden. Zur Installation genügt es, das Binärpaket auf einen Datenspeicher des ESXi-Hosts zu kopieren und von einer Konsole (z.B. über SSH) zu installieren:

[root@esxi:/] esxcli software vib install -v /vmfs/volumes/ESXi04_VMs/esxui-2976804.vib 
Installation Result
   Message: Operation finished successfully.
   Reboot Required: false
   VIBs Installed: VMware_bootbank_esx-ui_0.0.2-0.1.2976804
   VIBs Removed: 
   VIBs Skipped:

Es wird kein Reboot benötigt, nach der Installation kann die Web-Oberfläche über die folgende URL aufgerufen werden: https://esxi-ip/ui.

Weitere Installationshinweise finden sich auf der VMware Labs-Webseite.

Erster Eindruck

Timeout-Probleme

Timeout-Probleme

Beim Einloggen des Clients gibt es gelegentlich Timeout-Probleme. Sobald der Login erfolgt ist, überzeugt der Client allerdings mit einer hohen Geschwindigkeit. Die Geschwindigkeit ist nicht mit der des vSphere Web Clients 5.5 zu vergleichen. Da sich der Host Client am Web Client orientiert, gibt es auch hier ein ansprechendes Design mit schicken Graphen und Abbildungen, beispielsweise für die System-Auslastung oder Netzwerk-Topologie.

Der Client wirkt sehr aufgeräumt, er fokussiert die wichtigsten Funktionen – zusätzliche Funktionen sind über Untermenüs zu erreichen. Das Verwalten von Diensten ist deutlich schöner als beim konventionellen vSphere Client gelöst. In der VM-Übersicht können mehrere VMs zeitgleich ein- oder ausgeschaltet werden. Die Konsole virtueller Maschinen kann auf drei unterschiedlichen Wegen geöffnet werden:

  • Als Inlay innerhalb des aktuellen Fensters (es lassen sich mehrere Konsolen gleichzeitig öffnen und auch minimieren)
  • Als Pop-Up
  • Über den dedizierten VMware Remote Console (VMRC) Client (derzeit für Windows und OS X erhältlich)
Datenspeicher-Browser

Datenspeicher-Browser

Der integrierte Datenspeicher-Browser ist übersichtlich und verwendet mehrere nebeneinander angeordnete Spalten, um Ordner und Unterordner zu differenzieren. Über zusätzliche Schaltflächen lassen sich Elemente verschieben, herunterladen und hochladen. Hier könnte noch ein Knopf zum Registrieren von VMs die Auswahl ergänzen. Sollen VMs registriert werden, muss hierfür ein entsprechender Knopf außerhalb des Datenspeicher-Browsers betätigt werden – ein kleiner Umweg, der nicht sein müsste.

Der Client ist derzeit noch nicht vollständig übersetzt und auch das Englisch-Fallback scheint nicht immer zu funktionieren. Wenn der Browser eine andere Sprache als englisch (en-us) bevorzugt, werden manchmal die internen Variablennamen angezeigt. Abhilfe schafft es, die Sprache zu erzwingen – mit folgender URL: https://esxi-ip/ui/#/login&lang=en-us

[alert style=“yellow“]Das Ganze funktioniert übrigens auch beim vSphere Web Client: https://vcenter-ip:9443/vsphere-client?lang=en_US (mehr Informationen)[/alert]

Für mich ist der Host Client, auch wenn er noch nicht fertiggestellt ist, ein echter Mehrwert. Zum ersten Mal ist es möglich, Standalone ESXi-Hosts ohne vCenter Server und vSphere Client zu administrieren. Das ist insbesondere für Linux- und OS X-Anwender von Interesse, da diese jetzt ohne Windows-VMs Hosts verwalten können. Der Funktionsumfang ist für eine erste Version sehr beachtlich – ich bin sehr gespannt, inwiefern der Client weiterentwickelt wird.

Der Host Client geht, meiner Meinung nach, genau in die richtige Richtung. Dass der vSphere Client nicht mehr zeitgemäß ist, ist schon lange bekannt – und für Kunden ohne vCenter Server muss es schließlich auch eine adäquate Alternative geben. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Host Client irgendwann nicht mehr als Fling entwickelt wird und Einzug in die Grundinstallation von ESXi hält. Sehr schön wäre es auch, wenn VMware in neueren Web Client-Versionen endlich auf lästige Technologien wie Adobe Flex verzichten könnte.

Screenshots

Anbei noch einige Screenshots des Clients:

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